Wie alles begann:
Keine Grenzen für die Fantasie
Im Jahr 1969 gründete Frau Brigitte Schröder die Evangelische Krankenhaus-Hilfe. Sie war im Kuratorium des Evangelischen Krankenhauses in Düsseldorf und musste feststellen, dass die Patienten nicht mehr das Krankenhaus in ihrer Nachbarschaft aufsuchten, sondern ein Haus wählten, in dem ein Spezialist für ihre Krankheit arbeitete. Das bedeutete, dass sie von Familienangehörigen, Nachbarn, Freunden nicht mehr so häufig besucht werden konnten, da die Wege zu weit waren. Auf diese Weise waren sie viel allein.
Gemeinsam zum Wohl der Patienten
Dazu kam, dass sich die Situation der Krankenhäuser änderte. Die Personalkosten stiegen, die Verweildauer der Patienten wurde kürzer. Immer weniger Schwestern müssen immer schwerere Pflege leisten, denn in der kurzen Zeit seines Aufenthaltes erfährt der Patient eine sehr intensive Behandlung, und das bedeutet große Beanspruchung des Pflegepersonals. So fehlt den Schwestern einfach die Zeit, sich um die menschlichen und seelischen Nöte der ihnen anvertrauten Patienten zu kümmern. Es entstand der Gedanke an einen im Krankenhaus verankerten ehrenamtlichen Besuchsdienst, den Frau Schröder dann auch voller Tatkraft ins Leben rief: die Evangelische Krankenhaus-Hilfe war geboren.
Dieser Dienst nimmt den Schwestern nichts weg - nein im Gegenteil, er unterstützt sie und behält mit ihnen gemeinsam das Wohl der Patienten im Auge. Es ist selbstverständlich, dass die EKH-Mitarbeitenden - sie sind ja Laien - die Ärzte und Schwestern als Autorität ansehen, denn die tragen die Verantwortung für die Station.
Über 11000 Helferinnen und Helfer
Es begann in ganz kleinem Kreis. Doch sehr bald wollten auch andere Häuser Ehrenamtliche bei sich haben und der Kreis vergrößerte sich von Jahr zu Jahr. 1977 schlossen sich die Gruppen zur Arbeitsgemeinschaft (AG) zusammen. Der Dachverband mit Sitz in Bonn nennt sich seither "Arbeitsgemeinschaft Evangelische Krankenhaus-Hilfe" seit 1982 mit dem Untertitel "Evangelische und Ökumenische Krankenhaus- und Altenheim-Hilfe." Heute sind in über 700 Häusern über 11000 Helferinnen und Helfer beschäftigt und versehen regelmässig und zuverlässig ihren Dienst in Altenheimen, Allgemeinen Krankenhäusern, Spezialkliniken und in Kinderkrankenhäusern. In der Regel wird einmal in der Woche ein Vormittag Dienst im Krankenhaus oder im Altenheim geleistet. Das ist jedoch abhängig von den Bedürfnissen des jeweiligen Hauses.
Es werden weder Pflege- noch Putzdienste geleistet. Die Grünen Damen bringen etwas ganz Kostbares mit: Ihre Zeit - für das persönliche Gespräch, für's Zuhören, für die kleinen Zuwendungen, die ein alter oder kranker Mensch so dringend braucht. Dazu ist gesunder Menschenverstand gefragt und ein offenes und warmes Herz, das bereit ist, sich seinem notleidenden Nächsten zuzuwenden.
Im Mittelpunkt der Zuwendung
Der Patient befindet sich sehr oft in einer Krisensituation. Nun, während des Besuches der Grünen Dame oder des Grünen Herrn ist er der Mittelpunkt des Gespräches. Man kann sich ihm ungestört zuwenden und seine Sorgen anhören. Das hilft schon mehr als man ahnt, denn Zeit ist knapp in so einem hochspezialisierten Gebilde wie es ein Krankenhaus heutzutage ist.
In einem Altenheim ist trotz räumlicher Nähe viel Einsamkeit, ein alter Mensch verschliesst sich leicht. Auch hier können regelmässige Besuche Türen öffnen und die Einsamkeit vertreiben.
Es gibt viele Möglichkeiten, seine Hilfe wirksam werden zu lassen:
- Eine Klinik-Bücherei mit einem Bücherwagen, der an einigen Tagen der Woche von den Grünen Damen über die Stationen gefahren wird, die dann bei der Auswahl der auszuleihenden Bücher beratend helfen.
- Ein Lotsendienst empfängt die neueintreffenden Patienten am Eingang freundlich, nimmt ihnen dadurch die Angst vor dern Krankenhaus und führt sie auf ihre Station.
- Nach einer Operation kann man gelegentlich nur sehr langsam anfangen zu laufen. Kleine Gehübungen auf dem Flur werden ganz sicher dankbar angenommen. Später ist dann ein Spaziergang im Krankenhausgarten, zusammen mit der EKH-Dame, sicherer und unterhaltsamer.
- Hilfe in der Cafeteria - besonders in Altenheimen - aber auch in Kliniken wird sehr dankbar von der Verwaltung angenommen.
Dies sind nur einige Beispiele! Es ist insgesamt kein spektakulärer Dienst, doch vielleicht liegt gerade in der Einsicht dieser Tatsache die Stärke der EKH, auf die kein Haus mehr verzichten möchte, wenn sie einmal da ist.

Frau Schröder mit Grünen Damen
Regelmässige Fortbildungen innerhalb der Gruppe werden in den meisten Häusern angeboten, was natürlich von den vorgegebenen Möglichkeiten abhängig ist. Es schadet nicht, über die hauptsächlich vorkommenden Krankheiten Bescheid zu wissen. Jedes neue EKH-Mitglied sollte sich auch klar darüber sein, dass einem kranken Menschen gegenüber eine gewisse Zurückhaltung der eigenen Stimmung angebracht ist, um erst einmal die oft schwierige Situation des Patienten auszuloten. Vielleicht gibt es einen Krankenhaus-Seelsorger oder einen Psychologen, mit dem solche Dinge in regelmässigen Abständen zu besprechen sind. Auch eine Aussprache über "schwierige Fälle" und über das Sterben ist wichtig.
Das Ergebnis dieses Lernprozesses kommt den Ehrenamtlichen auch im persönlichen, privaten Leben zu Gute. So ist die Arbeit für jeden, der sich dazu entschließt, eigentlich ein persönlicher Gewinn. Oft ist das "Empfangen" mehr als das "Geben": Wir gehen dankbar und erfüllt nach Hause. Eigene Probleme sind für Stunden verschwunden und erscheinen winzig, dafür wächst die Erkenntnis: "Das Einzige, was mehr wird, wenn man es teilt, ist die Liebe" - und das ist ein gutes Gefühl.
Ein erstaunliches Phänomen ist es immer wieder zu beobachten, wie schnell die Mitglieder einer Gruppe miteinander vertraut werden und sich verstehen. Einander bis dahin fremde Menschen finden eine sehr verbindende gemeinsame Basis. Der Wunsch, etwas mehr zu tun als im Alltag üblicherweise verlangt wird, die Augen für den Nächsten zu öffnen, der liebevolle Zuwendung braucht, macht die Ehrenamtlichen zu einer homogenen Gruppe.
Ein Wort von Albert Schweitzer
Ein Wort von Albert Schweitzer fasst die Arbeit ganz wunderbar in Worte:
"Schafft Euch ein Nebenamt, ein unscheinbares, womöglich ein geheimes Nebenamt. Tut die Augen auf und sucht, wo ein Mensch ein bisschen Zeit, ein bisschen Teilnahme, ein bisschen Gesellschaft, ein bisschen Fürsorge braucht. Vielleicht ist es ein einsamer, ein verbitterter, ein kranker, ein ungeschickter, dem Du etwas sein kannst. Vielleicht ist es ein Greis, vielleicht ein Kind. Wer kann die Verwendungen alle aufzählen, die das kostbare Betriebskapital Mensch genannt, haben kann. An ihm fehlt es an allen Ecken und Enden. Darum suche, ob sich nicht eine Anlage für Dein Menschentum findet. Lass Dich nicht abschrecken, wenn Du warten oder experimentieren musst. Auch auf Enttäuschungen sei gefasst. Aber lass Dir ein Nebenamt, in dem Du Dich als Mensch an Menschen ausgibst, nicht entgehen. Es ist Dir eines bestimmt, wenn Du nur richtig willst."
EKH Deutschland - Arbeitsgemeinschaft Evangelische Krankenhaus-Hilfe EKH e.V. -
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